Kinder brauchen naturnahe Freiräume für ihre Entwicklung

Von Markus Weissert, Dr. med. Neuropädiater, St. Gallen. Wie namhafte Studien belegen, halten sich Kinder immer weniger im Freien auf, bewältigen ihren Schulweg oftmals nicht mehr selbständig und beschäftigen sich immer mehr mit den neuen Medien. Die Folgen sind Bewegungsdefizite und Übergewicht, aber auch Unruhe, Aufmerksamkeitsschwierigkeiten und Wahrnehmungsprobleme. Dabei benötigt eine altersgemässe motorische Entwicklung vielfältige Herausforderungen wie Stimulation für taktile Erfahrungen, Möglichkeiten zur  Entwicklung  der Bewegungsdosierung , der Bewegungssteuerung und der Körperbalance. Wichtig für die Vernetzung im kindlichen Nervensystem sind zudem vielfältige Sinneserfahrungen,  wie sie nur die Natur ermöglichen kann. Spielen und Staunen im Wald, an einem Bächlein oder in einer Blumenwiese: Sehen, horchen, riechen, fühlen und auch schmecken. Für Kleinkinder fehlt heute der Raum für freies, unbeaufsichtigtes Spiel mit Wasser, Sand und Naturmaterial zum kreativen, phantasievollem Experimentieren, zum Sammeln sozialer Erfahrungen. Schulkinder reagieren mit Aggressivität, Littering und Sachbeschädigungen auf die versiegelten blankgefegten Schulhöfe und die kahlgeschorenen,  biologisch wertlosen Rasenflächen. Jugendlichen fehlen Sportflächen, Treffpunkte für Begegnungen und Diskussionen oder Musikräume.  
Was ist zu tun?
  • Kinder benötigen zur Entwicklung phantasievolle Bewegungsräume  unmittelbar in ihrem Wohngebiet als Voraussetzung für ein kreatives, freies und unbeaufsichtigtes Spiel.
  • Kinder brauchen sichere Schulwege, die Erlebnisse mit der belebten und unbelebten Natur ermöglichen,  zur sozialen Entwicklung beitragen und die  Austragung von Konflikten ermöglichen.
  • Kinder, Lehrerschaft und engagierte Eltern können mithelfen, die Schulhausumgebung lebenswert (um)zu gestalten und sie damit auch ausserhalb der Schulzeit zu Quartierbegegnungszentren zu entwickeln.
  • Attraktive Jugendtreffs bieten Anreize zu outdoor Aktivitäten und wirken Medienüberkonsum und Übergewicht entgegen.
„Espace ouvert Fribourg / Freiraum Freiburg“  schafft dafür die idealen Voraussetzungen! Das Projekt verdient eine breite uneingeschränkte Unterstützung.